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So finden Sie den richtigen Ofen
Vorab eine Frage: möchten Sie einen solchen Ofen besitzen?

Nein? Prima. Diese Fotos stellte mir eine Kundin zur Verfügung weil sie so richtig unzufrieden war. Der Rauch aus dem Ofen zog nicht richtig ab, dafür verzog sich der Stahl. Die Türe klemmte bereits nach kurzer Zeit und der Brennraum war kaputt – alles in allem hatte sie „so richtig in die %&$§?ß! gelangt“, wie sie mir sagte. Dabei war der Ofen gerade mal 1 Jahr alt. Er brannte nur eine Saison. Die Kundin hatte die Nase voll und entschied sich für einen M3 von Lotus. Jetzt muß es natürlich nciht gleich ein Ofen für 5.000,- Euro sein, aber jeder Euro, den Sie mehr investieren lohnt sich in jedem Fall.
Welche Heizleistung ist erforderlich?
Wenn Sie den Wärmebedarf Ihres Hauses nicht wissen, dann gilt folgende Faustformel: 1 kW =1 000 Watt Ofenleistung pro 10 - 15 qm zu beheizender Wohnfläche bei einer Raumhöhe von ca. 2,50 m. Die Fläche ist abhängig von den jeweiligen Wärmedämmmaßnahmen (Fenster, Wände, Dach). Beachten Sie: die Heizleistung des Ofens sollte ausreichend, aber nicht überdimensioniert sein.
Beispiel:
Pro qm werden 60 Watt Heizleistung benötigt. Die zu beheizende Wohnfläche beträgt 60 qm x 60 Watt = 3.600 Watt bzw. 3,6 KW erforderliche Ofenleistung pro Stunde.
Wird die Leistung überdimensioniert, heizt der Ofen zu stark und muss zu sehr gedrosselt werden, um ein angenehmes Raumklima zu erreichen. Folgen: der Ofen erreicht nicht die notwendige Kerntemperatur von ca. 400- 500° C, das Holz bzw. die Holzgase werden nicht optimal bzw. unvollständig verbrannt, Brennmaterial verschwelt / verkokelt, Scheiben verrussen, es bilden sich Russablagerungen in Ofen bzw. Kamin, die Emissionen sind zu hoch, ebenso die Ascherückstände. Insgesamt ist das Ergebnis also unbefriedigend.
Die Leistungsunterschiede bei einem Kaminofen erkennen Sie immer an der Größe (Volumen) seines Brennraumes. Je größer, desto höher normalerweise die Leistung.

Strahlungs- oder Konvektionsofen?
Ein Strahlungsofen oder Speicherkaminofen hat einen deutlich höheren Anteil an Speckstein oder anderen wärmespeichernden Materialien im Ofenkörper. Der Wärmeverlauf ist dabei je nach Modell unterschiedlich. Fast alle haben eines gemeinsam: schnelles Aufheizen und langanhaltende Wärmeabgabe. Die erste Wärme gelangt über die Scheibe, und/ oder über zuschaltbare Konvektionsluftöffnungen in den Raum. Der Rest der Wärme wird im Ofenmantel gespeichert und langsam wieder abgegeben. Je nach Gewicht und Oberfläche bis zu 20 Stunden. Die Strahlungswärme wird dabei als angenehmer empfunden. Diese Modelle eignen sich gut zum alleinigen Heizen, aber auch und besonders für Niedrigenergiehäuser, die mit geringerer Leistung pro Stunde gut beheizt werden können. Die Modellpalette ist breit die Preise beginnen bei ca. 3.000,- Euro für das Einsteigermodell. Diese Öfen sind in ihrer Leistung durchaus mit einem gemauerten Grundofen zu vergleichen.

Ich empfehle diese Öfen am liebsten - das sind die modernsten Öfen die es zur Zeit gibt. Alle Kunden sind Top zufrieden damit. Obwohl die Wärme bis zu 24 Stunden täglich abgeben wird, brennt das Feuer im Ofen nur 4 - 6 Stunden täglich. Das erhöht die Lebensdauer auf 20 Jahre und länger.
Konvektionsöfen (Stahlöfen) erwärmen deutlich schneller und heizen den Raum schneller auf, kühlen aber auch schneller ab. Gut geeignet zum Zuheizen zu konventioneller Zentral-/ Fussbodenheizung. Ein Stahlofen besteht aus einem Brennraum und seiner Verkleidung, in diesem Fall Stahl. Dazwischen ist ein Hohlraum durch den die unten angezogene Raumluft durchströmt und sich auf dem Weg nach oben erwärmt. Durch Lüftungsschlitze tritt die erwärmt Luft wieder aus. Das Prinzip ähnelt einem Fön. Durch den Wärmeaustritt werden Luftverwirbelungen erzeugt und es kann dadurch zu erhöhter Staubzirkulation führen, die wiederum für Probleme bei Allergikern sorgen kann.
Die Modellpalette ist breit, wobei die Grundformen fast immer rechteckig, quadratisch, oval oder rund sind. Die Stahlkaminöfen sind auch unter dem Begriff Schwedenöfen bekannt. Eine solide Qualität beginnt bei ca. 1 000,- Euro.

Billige Stahlöfen für z.B. 199,- Euro, werden gerne auch "chinesische Rußbüchsen" genannt, oder als "Holzvernichter" bezeichnet. Ich rate vom Kauf, solcher, besonders billigen, Öfen, für den privaten Wohnbereich, ab. Das ist alles Schrott. Wenn Sie das nicht glauben sehen Sie sich die Bilder am Anfang an.
Hocherwertige Stahlöfen, mit einer besseren Verarbeitung, halten zwar länger, aber entsprechen teilweise auch nicht mehr den Erfordernissen unserer Zeit.
Kaminofen mit Speckstein-, Granit- oder Kachelverkleidung. Hierbei handelt es sich um Konvektionsöfen, die anstatt der Stahlverkleidung mit den genannten Materialien verkleidet sind. Genau wie Stahlöfen erzeugen sie Konvektionswärme. Nebenbei erwärmt sich noch die Verkleidung, die dann die Wärme wieder in den Raum als Strahlungswärme abgibt. Kacheln und Granit speichern die Wärme schlechter, Speck-oder Sandstein deutlich besser. Auch hier gilt: je schwerer der Ofen desto mehr Speicherung und umso länger die Wärmeabgabe nachdem das Feuer erloschen ist. Die Grundformen sind wie beim Stahl, die Preise beginnen, je nach Modell bei ca.1500,- Euro.

Dauerbrandofen (Abbildung rechts). Diese Modelle können neben Holz und Braunkohle auch mit Steinkohle (Eierkohle oder Briketts) befeuert werden. Der Ofen arbeitet dann aber in der Regel ausserhalb der vom Gesetzgeber vorgegebenen Grenzwerte für Emissionen. Die Verbrennung von gewachsenem Stückholz ist CO²-neutral; die Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Braun- oder Steinkohle ist CO²-schädlich! Einen Dauerbrandofen erkennt man bereits von außen. Die Scheibe ist kleiner und meist auch höher angebracht um Platz für das Befüllen zu schaffen
Vergleicht man den Dauerbrand mit Speicherkaminöfen so gewinnt hier ganz einfach der Ofen mit hohem Speicheranteil. Die Feinstaubwerte sind viel günstiger und auch die Art der Wärmeabgabe ist viel angenehmer.

Ich empfehle statt Dauerbrand- einen Speicherkaminofen zu wählen. Der ist viel verschleißfreier, gibt eine angenehme Wärme ab und hält länger. Zudem haben Sie viel mehr Feuersicht.
Soweit so gut. Hier eine Zusammenfassung der Eigenschaften eines Qualitätsofens im Überblick.
- DIN Geprüft ( DIN 18891), Bauartklasse BA 1
- Umweltschonende Verbrennung (selbst bei halber Nennheizleistung)
- Entsprechen der neuen 1. BIMSCH V (gültig seit März 2010)
- Das Feuer brennt auch mit wenig Holz sauber ab
- Primär und Sekundärluftregler
- Entspricht Regensburger und/oder Stuttgarter Modell (bisher höchste Anforderungen an die Umweltverträglichkeit)) bzw. der neuen BImSCHV.
- Benötigt keinen Feinstaubfilter, aufgrund excellenter Verbrennungstechnik.
- Stahlwandstärke im Feuerraum 4 mm
- Verschraubte Türen an den Bändern (können nachgerichtet werden)
- Hochwertige Schamotte oder Vermiculite
- Prüfzeichen auf der Rückseite (DIN oder CE Zeichen)
- Gratfreie Metallkanten
- Zwei oder Dreipunktverriegelungen der Türe (damit kann die Türe richtig dicht verschlossen werden)
- Scheibenspülung (dadurch bleibt die Scheibe länger "sauber")
- Garantie von 2 bzw. 5 Jahren.
- Bundesweiter Service durch den Hersteller
- Nachkaufmöglichkeiten von Ersatzteilen ( kann bis zu 10 Jahren und länger sein).
Noch ein Wort zum Feinstaub.
Alle Öfen, die Sie auf unserer Seite finden entsprechen bereits der aktuellen BIMSCH V, die seit März 2010 gilt, und zu 90% sogar schon den Werten die erst 2014 gefordert werden. Dies alles ohne Feinstaubfilter. Feinstaubfilter werden bislang in Deutschland nur von wenigen Herstellern eingesetzt und sind unnötig, wenn der Brennraum richtig konzipiert ist. Die meisten Hersteller erreichen die geforderten Emissionswerte ohne den Einsatz von Filtern. Ein Filter kann durch unsachgemässe Befeuerung/ Übertemperatur beschädigt werden, setzt mehr oder weniger schnell zu und erfordert daher unter Umständen einen höheren Wartungsaufwand. Der plakative Hinweis auf den Feinstaubfilter wird häufig nur als Marketingmassnahme benützt.
So und jetzt zu den Preisen, was kommt noch dazu?
Zum Preis für den Ofen kommen noch die Rohre für den Anschluß an den Kamin, und soweit nötig eine Funkenschutzplatte (Glas / Blech /Edestahl u.ä.). Ich empfehle generell immer eine Glasplatte. Die fällt am wenigsten auf, und kann durch eine Dichtlippe gegen Schmutz, der unter die Platte kriechen würde, geschützt werden. Blech und Edelstahl verkratzen stark und sehen nach kurzer Zeit schrecklich aus. Ich habe das getestet - es hat mir nicht gefallen. Selbstverständlich kann man den Bereich auch mit Fliesen verlegen.

So, jetzt wissen Sie das Wesentliche über Kaminöfen. Jetzt wünsche Ihnen viel Freude beim aussuchen. Dann geht es weiter.
(Zum Shop)
Sie haben jetzt den richtigen Kaminofen gefunden, kennen alle Kosten dann stellt sich die Frage selbst anschließen oder anschließen lassen?
Kaminofen aufstellen ist an sich einfach. Speicherkaminöfen müssen zusammengebaut werden, was aber jeder geschickte Heimwerker problemlos schafft. (Eine Aufbauanleitung liegt jedem Ofen bei). Wenn ich das kann kann das jeder. Einen Standartkaminofen aufzustellen ist noch leichter. Das Loch in den Kamin zu machen ist an sich auch einfach - nur, wenn halt eine Systemkamin verwendet wurde kann es aufwändiger sein.
Ofen selber aufstellen und anschließen
Bevor der Ofen angeschlossen wird sollten Sie prüfen um welchen Kamin es sich handelt. Ist er gemauert, besteht er aus Fertigteilen oder wurde ein neuer LAF Kamin eingebaut. Je nachdem kann der Rauchgasanschluß einfach mit einem doppelten Wandfutter erfolgen, oder benötigt ein Anschlussstück. An sich ist der Anschluß ganz einfach. Man kann bei Standartkaminen den Zugang mittels Kernbohrung und einem großen Bohrzylinder vornehmen oder wie früher, indem man den Umfang des Rauchrohres an den Kamin zeichnet, dann auf dieser Line eine Reihe von Löchern bohrt. Anschließend wird entlang der Bohrlochreihe mittels Hammer und Meisel der Zugang geschaffen. Dies funktioniert allerdings nicht bei den neuen Kaminen. Die Gefahr den Kamin zu zerstören ist zu groß. Bitte fragen Sie im Zweifelsfall immer Ihren zuständigen Kaminkehrermeister oder den Lieferanten des Kamins.
Der Durchmesser des Kamines sollte immer größer sein als das Rauchgasrohr das in den Kamin mündet. Bei einem Ofenabgang von 15cm Durchmesser sollte der Kamin mindestens 16 - 18 cm betragen.
Ein Tipp noch: Bevor Sie den Ofen auf die Glasplatte stellen kleben Sie auf die Unterseite Filzgleiter und stellen erst dann den Ofen ab. Dadurch läßt sich der Ofen leicht verschieben und Sie vermeiden Kratzer.
Wichtig:
Wenn der Ofen aufgestellt ist müssen Sie ihn genehmigen lassen.
Ihr zuständiger Bezirkskaminkehrermeister muß jede neue Feuerstätte abnehmen und genehmigen. Er achtet bei seiner Abnahme auf die Einhaltung der Abgaswerte und der Sicherheitsabstände. Dann wird er Sie noch Fragen ob Sie eine Dunstabzugshaube in Betrieb haben oder eine Raumluftanlage.
Generell gilt:
- Bei Dunstabzugshaube mit externer Abluft , Einbau eines Funkkontaktschalters am Küchenfenster.
- Bei Betrieb einer kontrollierten Wohnraumbelüftung, Einbau eines Unterdruckwächters in der Lüftungsanlage.
- Wir empfehlen generell vor Anschaffung eines Ofens sich an den zuständigen Bezirkskaminkehrer zu wenden.
Ob Sie ihn vor der Abnahme das erstemal heizen oder erst danach stimmen Sie bitte mit dem Kaminkehrer ab. Manche sind da sehr heikel.
So fertig!
Herzlichen Glückwunsch, jetzt ist der Ofen angeschlossen und Sie wollen ihn anheizen. Dabei wird es das erste mal richtig stinken und qualmen. Das rührt daher, dass es sich beim Ofenlack um einen Einbrennlack handelt, der sich beim erwärmen leicht anlöst und erst nach ca. 30 Minuten einbrennt. In dieser Zeit "duftet es richtig nach Chemie" und Sie sollten daher Türen und Fenster öffnen. Auch die Türe des Ofens dürfen Sie nur anlehnen, denn sonst würde die Dichtungsschnur festkleben und sich lösen. Außerdem sehen Sie dann das Muster der Schnur um den Türrahmen.
Laden Sie den Ofen mit ca. 2,5 - 3 kg Holz, (große Scheite unten, kleine oben), legen 1 - 2 Anzünder unter die oberste Lage und zünden an. Lassen Sie den ersten Abbrand richtig knackig abbrennen ohne die Türe zu schließen. Dann ist der Ofen richtig "eingebrannt". Es kann sein, dass der Lack auch beim zweiten oder dritten Heizen noch stinkt, aber dann sollte es vorbei sein.
Wie steuert man die Wärmeabgabe?
Einen Kaminofen kann man nur mittels mehr oder weniger Holzzugabe steuern. 1 kg Holz bringt, je nach Holzart (Fichte, Buche etc) , zwischen 3 - 4,5 KW Energie. Sie sollten, je nach Herstellerangabe, nie mehr als 3 kg Holz in den Brennraum legen.
Wieviel Brennholz Sie wirklich benötigen, müssen Sie letztlich selbst entscheiden. Vergessen Sie was gehört haben (auch von mir) und vertrauen Sie auf ihre eigene Erfahrung. Trauen Sie sich Erfahrungen zu machen - Heizen mit Holz ist ganz einfach, Sie können keine Fehler machen.
Grundsätzlich empfehle ich immer, sobald nur noch Glut im Feuerraum sichtbar ist, den Verbrennungsluftschieber komplett zu schließen. Dadurch wird noch mehr Temperatur genützt und in den Raum abgegeben. Zudem wird dadurch der Ascheanfall nochmals reduziert.
Und jetzt viel Spaß und Freud mit Ihrem neuen Ofen.
Bernhard Schleicher
Hier noch einige Begriffserklärungen
Vermiculite
Vermiculite ist ein natürliches hochhitzebeständiges Mineral und besteht aus Aluminiumeisenmagnesiumsilicat. Aus diesem Silicat werden Platten in einem Spezialverfahren hergestellt. Es eignet hervorragend für die Innenauskleidung von Feuerstätten und Kaminöfen. Gegenüber Schamotte ist das geringe Gewicht, die glatte Oberfläche und eine höhere Stabilität von Vorteil. Durch die wärmedämmende Wirkung des Materials erhöht sich die Abbrandtemperatur und verringert den Emissionsausstoss.
Doppelwandig
Im unteren Bereich wird Raumluft angesaugt. Diese Luft wird zwischen den Wänden erwärmt und steigt nach oben. Im oberen Bereich tritt die warme Luft wieder aus. Durch diese Kovektion wird die Warmluft gleichmäßig im Raum verteilt und der Ofen weitgehend vor überhitzung geschützt.
Primärluft
Primärluft wird der Feuerstelle durch den Feuerrost zugeführt. Diese ist in der Anheizphase und bei der Verbrennung von Kohle erforderlich. Bei der Holzverbrennung wird nach der Anheizphase die Primärluftzufuhr geschlossen.
Sekundärluft
Die Sekundärluft (Scheibenhinterlüftung) wird dem Feuerraum durch entsprechende Kanäle im oberen Bereich zugeführt und strömt an der Scheibe entlang. Sie ist für die Verbrennung von Holz erforderlich und verhindert weitgehend die Verrußung der Scheibe. Sie bewirkt eine Nachverbrennung der Abgase und somit eine emissionsfreiere Verbrennung.
Tertiärluft
Die Tertiärluft sorgt für eine optimierte Verbrennung. Durch die zusätzlich zugeführte Tertiärluft wird eine noch emissionsärmere Verbrennung erreicht. Durch effektivere Verbrennung hat der Ofen einen höheren Wirkungsgrad.



